Überlegungen zum Thema Zweithund

Immer wieder bekommen wir mit, dass Kunden mit dem Gedanken spielen, sich einen zweiten Hund anzuschaffen. Grundsätzlich ist das eine schöne Sache. Hunde sind soziale Lebewesen und viele von ihnen haben mit einem Zweithund einen Kumpel, Spielgefährten Sozialpartner immer bei sich und sind somit z.B. bei längerer Abwesenheit der Besitzer nie allein.

Allerdings sollte man sich vor der Anschaffung eines Zweithundes mindestens so viele Gedanken machen, wie vor der Anschaffung des ersten.
Die erste und wichtigste Frage ist:

Will unser Hund einen zweiten Hund?

Oft steht das Bedürfnis des Menschen an erster Stelle. Vielleicht ist der eine Hund nun alt und krank und kann bei Freizeitaktivitäten nicht mehr so gut mithalten. Vielleicht hat man dem Hund gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil er öfter mal allein zu Hause sein muss. Vielleicht denkt der Mensch ein Spielgefährte würde den vorhandenen Hund durch Spiel besser auslasten.
Sollte man sich aber nicht viel mehr fragen ob der vorhandene Hund mit einem neuen Hund im Haushalt glücklich wird?
Gerade ältere Hunde, die vielleicht noch das ein oder andere Zipperlein haben, sind eigentlich froh, wenn es nicht mehr so hoch hergeht, ihnen einen Welpen vorzusetzen empfinde ich als sehr rücksichtslos, das wäre ja wie wenn ich mit einem Neugeborenen auf einmal bei meiner 85jährigen Oma einziehe, der würde das auch alles ganz schnell zu viel.
Welpen lernen gerade erst die Welt kennen. Die sozialen Benimmregeln haben sie noch nicht richtig drauf, sie sind viel in Action und erfordern viel Aufmerksamkeit von den Menschen, da gerät der Rentner-Hund schnell ins Hintertreffen und wird zusätzlich noch von einem aufdringlichen Welpen „genervt“.
Überlegen Sie sich gut, ob Sie Ihrem Rentner das antun wollen.

Ähnlich gut sollte man überlegen, wenn der erste Hund selbst noch nicht richtig erwachsen ist.
Hat man einen Halbstarken zu Hause und holt noch einen Welpen dazu, gewöhnt sich der Teenager ganz schnell wieder die Unarten eines Welpen an, denn der macht es ja genauso.
Bei dieser ungünstigen Konstellation haben Sie immer Action in der Bude, die beiden Hunde tun sich zusammen und der Mensch kann gucken wo er meinen seinen „unnötigen“ Kommandos bleibt, denn die Hunde haben Spaß für 80 und brauchen dafür den Menschen gar nicht.
Das kann ganz schnell eine sehr anstrengende Eigendynamik entwickeln. In der Regel sagt man, der Ersthund, sollte mindestens drei bis fünf Jahre alt sein und den Erziehungsstand haben, den der Mensch sich wünscht, dann kann der erwachsene Hund eine tolle Hilfe in der Aufzucht des Neuankömmlings sein, denn der kleine Fratz guckt sich viel ab und der ältere Hund ist nicht mehr ganz so aufgedreht und kann auch Ruhe und Gelassenheit vermittelt.

Sie haben einen ängstlichen Hund daheim und wollen ihm durch einen Artgenossen etwas Unterstützung bieten?
Glauben Sie ein Welpe ist dann die richtige Wahl? Ich denke nicht! Wählen Sie einen sehr selbstbewussten Welpen, kann es ganz schnell dazu kommen, dass der vorhandene Hund sich zurückzieht und der Welpe die „Oberhand“ gewinnt.
In den schlimmsten Fällen wird der Welpe zum Mobber und der Angsthase hat nun nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden einen sicheren Rückzugsort. Wählen sie allerdings einen eher sanften und sensiblen Welpen, wird er sich höchstwahrscheinlich das Angstverhalten abschauen, das Ende vom Lied ist: Sie haben ZWEI Angsthunde und das ist ja genau das Gegenteil von dem was Sie ursprünglich wollten.
Bei ängstlichen Hunden wäre es eher sinnvoll einen souveränen, erwachsenen Hund aus einer Privatabgabe oder dem Tierschutz zu übernehmen. Zwingend erforderlich hierbei ist eine langsame Gewöhnung der beiden Hunde aneinander mit mehreren Spaziergängen und evtl. einem Probewochenende, um einschätzen zu können, wie sich der vorhandene Hund damit fühlt.
Merken sie Unwohlsein und Stressreaktion, lassen Sie es langsam angehen und machen sie nicht den Fehler darüber hinweg zu gehen und zu denken :“ Das wird schon.“ Leider ist es nicht immer der Fall, dass sich positiv entwickelt.
Hier sollte wieder der Ersthund im Vordergrund stehen, kann er mit der Situation nicht umgehen, überlegen Sie, ob Zweithund der richtige Weg ist.
Vielleicht kann man mit gezieltem Training das Selbstbewusstsein aufpolieren und dem Hund dadurch etwas Sicherheit geben.

Neben der Frage ob ist natürlich auch die Frage welcher Hund eine wichtige.
Einige Tipps, auf die Sie achten sollen haben Sie nun bereits bekommen. Man muss natürlich nicht innerhalb einer Rasse bleiben allerdings sollte man auch die rassetypischen Eigenschaften nicht außer Acht lassen.
Rhodesian Ridgebacks z.B. sind sehr grobe Spieler, sie setzen gern den Körper ein und knurren dabei oft viel.
Ein ganz sensibler Hund wie z.B. ein Whippet könnte mit diesem Verhalten nicht sehr gut umgehen, das wäre somit vielleicht nicht eine ganz perfekte Paarung.
Die ganzen plattnasigen Rassen haben, durch ihre sehr eingeschränkte Mimik und die Atemgeräusche, oft Kommunikationsprobleme mit anderen Rassen. Sie werden einfach oft falsch verstanden, untereinander allerdings wissen sie genau was Sache ist.
So könnte man z.B. Problemen aus dem Weg gehen, wenn man hier innerhalb der molosserartigen Hunde bleibt.

Über das Geschlecht sollten sie auf jeden Fall auch nachdenken, bzw. über das Thema Verhütung.
Holen Sie zu Ihrem potenten Rüden eine Hündin dazu, kann es während der Läufigkeit zu sehr großem Stress auf beiden Seiten kommen. Um Nachwuchs zu vermeiden müssen die Hunde für die Dauer der Läufigkeit getrennt werden. Das Risiko eines „Unfalls“ ist allerdings bei zwei Hunden im gleichen Haushalt nicht auszuschließen.
Abgesehen davon, will man sich dieses Theater zweimal im Jahr wirklich zumuten? Auch die Hunde leiden darunter, die Hormone spielen verrückt, man will, aber darf nicht und dazu wird der beste Kumpel fern gehalten. Man muss einzeln spazieren gehen und und und.
Deshalb überlegen Sie sich gut, ob nicht erst ein gegengeschlechtlicher Hund einzieht, wenn der vorhandene bereits kastriert wurde, so kann man auch hier viel Stress aus dem Weg gehen.

Gerade bei der Anschaffung eines zweiten Hundes finde ich den Tierschutz eine richtig gute Lösung.
Man kann sich beraten lassen und verschiedene Hunde kennenlernen. Der eigene Hund kann mit entscheiden und man bekommt einen ausgereiften Charakter, d.h. dieser Hund ist fertig entwickelt (an der Erziehung kann man immer arbeiten), man kann sich ein realistisches Bild machen, ob die beiden Hunde zusammen passen.
Bei einem Welpen kann man vorab nie genau sagen, wie er sich entwickeln wird.

Last but not least möchte ich noch den finanziellen Aspekt kurz ansprechen:
Doppelte Hundesteuer, doppelte Futterkosten, zweimal Tierarzt (Ansteckung untereinander), Hundepesion zur Urlaubszeit zweimal und alles weitere was sie für Ihren Hund nun ausgeben, wird sich dann verdoppeln.
Es ist nicht nur mit den Anschaffungskosten getan.

Sie sehen es gibt wirklich viel zu bedenken.
Bitte brechen Sie diese Entscheidung niemals über´s Knie, weil sie auf einem Kleinanzeigenportal so süße Welpen gesehen haben und entscheiden Sie auch nicht nach Ihrer Befindlichkeit, nach dem Motto: Der alte ist bald nicht mehr da und dann bin ich traurig.
Gönnen sie dem alten Hund in seiner letzten Zeit Ihre volle Aufmerksamkeit und die Ruhe, alles andere wäre doch egoistisch, oder?
Ihr Hund und auch Sie sollten mit der Entscheidung zufrieden sein, deshalb lieber eine Nacht länger darüber schlafen, als hinterher zu merken, dass man doch überfordert ist. Davon hat niemand etwas.

Unser Team steht Ihnen bei so einer wichtigen Entscheidung gern beratend zur Seite und kann Ihnen sicher auch bei der richtigen Auswahl des Zweithundes helfen.
Sprechen Sie uns doch einfach deswegen an.

23.Dezember