In jeden Bundesland in Deutschland gibt es eine eigene Bestimmung zum Halten, Führen und Züchten von Hunden in verschiedenen Größen und ausgesuchter Rassen. Oft werden diese Rassen als „Kampfhunde“ betitelt, dieser Begriff ist in der Regel sehr negativ und mit einer Menge Vorurteilen belegt.

Im großen und Ganzen gibt es in NRW 4 verschiedene Gruppen, in die unsere Hunde unterteilt werden:

– Kleine Hunde: alle Hunde, die nicht mehr als 40 cm Schulterhöhe erreichen werden und/oder nicht schwerer als 20 kg Körpergewicht werden, ausgegangen wird hierbei vom erwachsenen Hund. Hierzu zählen z.b. Malteser, Yorkshire Terrier, Dackel uvm. Für diese Hunde gibt es keine besonderen Auflagen.

– Große Hunde sog. 20/40er: alle Hunde, die mehr als 40 cm Schulterhöhe erreichen werden und/oder schwerer als 20 Kg Körpergewicht. Hierzu zählen z.b.: Labrador, Schäferhund, Englische Bulldogge, Viszla, uvm.
Für diese Hunde muss der Halter einen kleinen Sachkundenachweis dem Ordnungsamt vorlegen (abzulegen bei jeden Tierarzt) für das Halten von großen Hunden. Dise Hunde unterliegen einer Kennzeichnungspflicht (Mikrochip oder Tätowierung)

– Gefährliche Hunde=Hunde der Kategorie 1: Hunde der Rassen Pittbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier und alle Mischlinge aus und mit diesen Rassen so z.b. auch ein Chihuhaua-Pitbull-Mix.
Für diese Hunde gelten spezielle Bestimmungen:
Eine Übernahme oder Weitergabe von privat zu privat ist nur erlaubt, wenn öffentliches Interesse vorliegt und der Übernehmer muss eine Haltergenehmigung besitzen. I.d.R bekommt man diese Hunde nur vom Tierschutz, alles andere ist in NRW illegal, auch die Einfuhr aus einem anderen Bundesland, wo der Privatkauf evtl, legal ist, ist rechtswidrig
Um einen Antrag beim zuständigen Ordnungsamt für eine Haltergenehmigung zu stellen, müssen folgende Punkte erfüllt sein:
→ mind. 18 Jahre alt, großer Sachkundenachweis (abzulegen beim Veterinäramt oder zugelassenen Sachverständigen), Führungszeugnis, ausbruchssicher eingefriedetes Grundstück, körperliche Eignung, besondere Haftpflichtversicherung (nicht jede Versicherung versichert diese Hunde), fälschungssichere Kennzeichnung des Hundes durch einen elektronischen Mikrochip, ab dem 6. Lebensmonat gilt für alle diese Hunde Maulkorb- und Leinenpflicht, es sei denn, sie beweisen in einer Wesensprüfung, dass sie ungefährlich sind.
Das gleichzeitige Führen mehrerer Hunde dieser Kategorie ist untersagt.
Betreuungspersonen abweichend vom Halter müssen einen großen Sachkundenachweis besitzen.
Zucht und Handel mit diesen Hunden ist verboten. Die zuständige Behörde darf eine Kastration anordnen.
Haltung, Erwerb, Abgabe, Eigentumsaufgabe, Abhandenkommen und Tod eines solchen Hundes müssen umgehend der Behörde (Ordnungsamt) gemeldet werden.

– Hunde bestimmter Rassen, die Gefährlichkeit der Hunde wird vermutet = Hunde der Kategorie 2: Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu
Für diese Rassen gelten die gleichen Bestimmungen, wie bei den gefährlichen Hunden, außer dass zum Halten eines solchen Hundes kein öffentliches Interesse vorliegen muss. Des weiteren besteht kein Zucht- und Handelsverbot

Mit Sicherheit ist diese Rasseeinteilung etwas willkürlich, durch Beißstatistiken nicht gestützt und für Hundeliebhaber nicht nachvollziehbar.
Allerdings ist es in unserem Bundesland Gesetz und jeder, der mit dem Gedanken spielt sich einen Hund, besonders der hier angeführten Kategorie 3 oder 4, anzuschaffen, sollte sich im Vorfeld gut informieren und mit seinem zuständigen Ordnungsamt Rücksprache halten.
Unüberlegt angeschafft, ohne die erforderlichen Unterlagen und Kenntnisse, ist die Behörde befugt den Hund einzuziehen und das wäre für jeden Hund der schlimmste Fall, denn dann landet er im Tierheim.
Auch die Umdeklarierung z.B. in einen Labrador-Mix bringt im Zweifelsfall nichts, denn die Rassebeurteilung geht immer nach der Optik. Bei einem Labrador-Mix aus einer Hobbyzucht o.ä. ist ein zwei Generationen übergreifender Stammbaum schwierig zu erbringen, der beweist, dass keine gelistete Rasse in ihm steckt.

=> Für alle Hunde gilt allgemein, dass eine Haftpflichtversicherung bestehen muss, der Hund muss zur Hundesteuer angemeldet werden, Anleinpflicht innerorts (ausgenommen ausgewiesene Hundefreiflächen)

Die Hundesteuer ist ein weiterer Punkt, den es zu bedenken gibt. Es gibt Gemeinden die eine erhöhte Hundesteuer auf diese Hunde erheben, bitte informieren Sie sich vor der Anschaffung.
Nichtsdestotrotz soll an dieser Stelle gesagt sein, dass Pitbulls, Staffs und Rottweiler ganz tolle Hunde sind, sie werden durch das Hundegesetz diskriminiert und in ein schlechtes Licht gerückt. Die Vorurteile sind unserer Meinung nach absolut überholt und viele Hunde, die diesen Rassen angehören fristen ihr Leben im Tierheim, da eine Anschaffung so aufwändig ist und viele Interessenten abschreckt.
Mehrere Bundesländer hatten bereits ein Einsehen und haben die Rasseliste wieder abgeschafft, in NRW ist sie noch aktuell.
Viel sinnvoller wäre die Eignung des Menschen zur Haltung eines Hundes (egal welcher Rasse) zu prüfen und nicht die Gefährlichkeit eines Hundes weil er einer bestimmten Rasse angehört.

Den gesamten Gesetzestext als pdf finden Sie hier. 

Eine Rasseliste, geordnet nach Bundesländer

 

15.Dezember